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Abbildung 1:

Eine Schicht der nativen koronar angefertigten T1-Sequenz nach intravenöser Kontrastmittelgabe mit Nachweis einer kortikospongiös verlaufenden Linienbildung angrenzend an den Symphysenspalt.

Abbildung 2:

Ausgeprägtes, persistierendes Knochenmarködem Os pubis rechts

Oedem

Abbildung 3:

Extrem ausgeprägte
Knochenmarködeme in beiden Schambeinästen

Der schleichende Bruch im Becken

Die Schambeinentz√ľndung - von der Diagnose zur Therapie

Es ist und bleibt die heimt√ľckischste und langwierigste Verletzung im Sport. Immer wieder m√ľssen Profis wegen der Symptome der sogenannten Schambeinentz√ľndung √ľber extrem lange Zeitr√§ume pausieren. Nun ist sich ein Orthop√§de aus K√∂ln sicher, die Ursache des Teufelskreises erkannt zu haben. Dr. med. Emanuel Merkle glaubt, dass das Krankheitsbild oft falsch diagnostiziert und deshalb auch falsch therapiert wird. Gest√ľtzt wird diese These unter anderem von den an Fu√üballproÔ¨Ās und anderen Leistungssportlern gesammelten Erfahrungen.

Herr Dr. Merkle, was ließ sie an den bisherigen Diagnosen und Therapien zweifeln?

Dr. Merkle: Vor allem die langen Ausfallzeiten. Es ist doch merkw√ľrdig, dass dieses Krankheitsbild oft einen l√§ngeren Heilungsprozess ben√∂tigt als andere Sportverletzungen wie Kreuzbandrisse oder Achillessehnenrisse. Da stehen Fu√üballer heute nach vier bis sechs Monaten wieder auf dem Platz. Bei der Schambeinentz√ľndung haben wir F√§lle, die sich √ľber ein halbes bis ein ganzes Jahr und noch l√§nger hinziehe (Nationalspieler G√∂tze 7 Monate, Bellarabi 10 Monate). Das eine erkannte und behandelte Entz√ľndung so lange Probleme bereitet, ist sehr ungew√∂hnlich. Damit kann sich eigentlich kein Sportmediziner abÔ¨Ānden.

Sie gehen mittlerweile soweit, von einer Fehldiagnose zu sprechen. Zu welchem Ergebnis kommen Sie?

Dr. Merkle: Nach meiner √úberzeugung handelt es sich nicht ausschlie√ülich um eine Entz√ľndung, sondern h√§ufig um eine schleichende verborgene Fraktur im Beckenknochen, einen Erm√ľdungsbruch. Mit den gleichen Symptomen, wie sie h√§ufig auch bei anderen Knochen (Fu√ü) auftreten. Erstaunlicherweise werden die Symptome hier aber nicht entsprechend gedeutet, gewertet und behandelt.

Wird die Verletzung demnach falsch behandelt?

Dr. Merkle: Sehr oft. Eine Fraktur erfordert zwingend eine Ruhigstellung. Den Fu√ü w√ľrde man sofort ruhigstellen. Das ist in der Schambeinregion leider nicht so einfach m√∂glich.

Was hat sie letztendlich stutzig gemacht?

Dr. Merkle: Mit unserem eigenen MRT machten wir bei Verdacht sofort Beckenaufnahmen unter Kontrastmittelgabe und regelm√§√üige Kontrolluntersuchungen in kurzen Abst√§nden. Wir konnten feststellen, dass lediglich reduzierte Belastung oder einfaches Pausieren zu keiner Verbesserung f√ľhrte. Das Knochenmark√∂dem, also die Fl√ľssigkeitsansammlung im Schambeinast, war oft gewachsen.Trotz aller Therapien. Oder gerade deswegen. Obwohl Sportler direkt aus der Reha zu uns kamen, konnten wir deutlich gr√∂√üere Fl√ľssigkeitsansammlungen im betroffenen Knochen erkennen.

Und warum werden diese Untersuchungen nicht regelm√§√üig durchgef√ľhrt?

Dr. Merkle: Das Problem ist vielschichtig. Zum einen lassen sich in dieser K√∂rperregion Leistenschmerzen, Muskelschmerzen, H√ľftschmerzen und Schambeinbeschwerden nur schwer voneinander abgrenzen, so dass die Sportler im Wesentlichen alle die gleichen Symptome schildern werden. Zum anderen sind Spieler und Vereine an kurzen Ausfallzeiten interessiert. Kein Spieler will freiwillig sechs Wochen gar nichts machen. Alle wissen, dass man dabei konditionell und muskul√§r enorm verlieren w√ľrde. Also versucht man es mit reduzierter Belastung, wie Radfahren, Schwimmen, Physiotherapie. Und dann wundert man sich, dass nach der ersten ernsthaften Belastung die Symptome erneut auftreten. Radfahren z.B. bringt eine absolute Verschlechterung mit sich.

Was macht Sie so sicher, dass es sich wirklich um eine Fraktur handelt?

Dr. Merkle: Wir konnten an zahlreichen chronischen F√§llen mithilfe der D√ľnnschicht-Computertomografie kleinste Risse, sogenannte cortico spongi√∂se Frakturlinien und √ľberschie√üende Callusanlagerungen nachweisen.

Worin sehen Sie die h√§uÔ¨Āgsten Ursachen?

Dr. Merkle: Hauptverantwortlich sind wahrscheinlich Beckenschiefstände, Beinlängendifferenzen, Überlastungen beim Sport, die extremen Zug- und Scherkräfte der Adduktoren am Schambeinknochen beim Schuss, aber auch Vitamin-D-Mangel oder andere Knochenstoffwechselstörungen.

Wie sieht die optimale Behandlung aus?

Dr. Merkle: Bei einer fr√ľhen Erkennung der Fl√ľssigkeitsansammlung im MRT mit Kontrastmittel ist eine sofortige und zun√§chst mindestens sechsw√∂chige Zwangspause n√∂tig, ohne jegliche Physiotherapie. Dar√ľber hinaus kann manchmal eine Bettruhe von zwei bis drei Wochen bei beidseitigem Vorliegen erwogen werden. W√§hrend dieser Ruhephase darf wegen der Gefahr der zu fr√ľhen Belastung und Fehleinsch√§tzung weder reduzierte Belastung (kein Radfahrenl) noch eine begleitende krankengymnastische oder medikament√∂se Therapie erfolgen. Eine Ausnahme stellt die Vitamin-D-Gabe bei dem h√§ufig im Winter nachgewiesenen Mangel dar. Anderweitige Behandlungen dieses Krankheitsbildes resultieren oft in auff√§llig langen Ausfallzeiten des Sportlers und f√ľhren letztlich zu frustrierenden Verl√§ufen mit unn√∂tigen Operationen an der Leiste, bis hin zum vorzeitigen Karriereende im Leistungssport. Bei zu sp√§ter Erkennung der Schambeinerkrankung ist die Heilungsdauer unbestimmt. Sie nimmt h√§ufig mehrere Monate bis Jahre in Anspruch. Die zus√§tzliche Behandlung mit Vitamin D, Kalzium und auch Bisphosphonaten ist aus empirischer Erfahrung in bestimmten F√§llen gerechtfertigt. Operationen sind in der Regel nicht notwendig oder eher zu vermeiden, au√üer es liegt ein zus√§tzlicher und eindeutig nachgewiesener Leistenbruch (Hernie) vor. In diesem Fall ist eine Leistenoperation z.B. nach der Methode von Shouldice in Verbindung mit einer Einkerbung der Adduktorensehnen erfolgversprechend. Das von uns zus√§tzlich favorisierte Anbohren des Knochenmark√∂dems im Schambeinast kann den Verlauf ebenfalls beschleunigen und die Erkrankung zur Ausheilung bringen.

Herr Dr. Merkle, vielen Dank f√ľr dasGespr√§ch!

 

 

 

 

Anschrift & Kontakt

Dr.med. E. Merkle
Facharzt f√ľr Orthop√§die

Praxisklinik
f√ľr Orthop√§die
&
Sporttraumatologie


Theresienhöhe 1
50354 H√ľrth/Rheinland

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