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Abbildung 1:

Eine Schicht der nativen koronar angefertigten T1-Sequenz nach intravenöser Kontrastmittelgabe mit Nachweis einer kortikospongiös verlaufenden Linienbildung angrenzend an den Symphysenspalt.

Abbildung 2:

Ausgeprägtes, persistierendes Knochenmarködem Os pubis rechts

Oedem

Abbildung 3:

Extrem ausgeprägte
Knochenmarködeme in beiden Schambeinästen

Mit welchem Beschwerdebild kommen Fußballer zu Ihnen?
Fast alle Fu√üballer berichten √ľber das gleiche Beschwerdebild: Schmerzen bei sportlicher Belastung im Bereich der Leiste, meist einseitig, selten beidseits. Im Alltag hingegen sind sie oft beschwerdefrei. Sie berichten von einem Ziehen im Oberschenkel, manchmal auch verst√§rkt durch Husten und Niesen. Dieses Beschwerdebild ist oft nur schwer von Symptomen des R√ľckens und echten Leistenhernien, sowie einer banalen Zerrungen zu trennen. Mit Hilfe von Schmerzmitteln konnten die meisten Betroffenen jedoch immer noch eine Zeit lang weiterspielen!


Welche Vorgeschichte bringen Ihre Patienten häufig mit?
Die meisten unserer Patienten sind mit sehr komplexen Methoden auswärtig vorbe-handelt worden. Dabei erhielten sie zum Teil mehrere Kortisonspritzen, Stoßwellen- und/oder Magnetfeldtherapien, Eigenblutspritzen sowie die komplette Balneo- und physikalische Therapie. Es wurden Radfahren zum Ausgleich, kurze Trainingspau-sen oder nur reduzierte Belastung verordnet. Die verletzten Fußballer durchliefen viele Arztwechsel und wurden teilweise mehrfach operiert (bis zu dreimal). Dabei wurden häufig Leistenbruch-Operationen mit und ohne Kunststoff-Netz vorgenom-men und bei Persistenz Nervendurchtrennungs-Operationen angeschlossen.
Bei den Patienten wurden h√§ufig schon mehrere MRT Untersuchungen im Vorfeld durchgef√ľhrt, oft mit unterschiedlicher Beurteilung des Befundes. Aber nur sehr selten wurde dabei von Stressfrakturlinien oder einem Bruch gesprochen.


Auf Basis welcher Verfahren erstellen und sichern Sie Ihre Diagnose?
Wichtig bei der Diagnosestellung ist, andere m√∂gliche Ursachen auszuschlie√üen, z.B.: Beckenschiefst√§nde, Blockierungen im Bereich der Kreuzbein-Darmbeinfuge, Beinl√§ngendifferenzen und Muskeldysbalancen. Die zu oft gestellten ‚ÄěVerlegenheitsdiagnosen‚Äú Weiche Leiste oder Sportlerleiste sind ungenau und irref√ľhrend.
Die Best√§tigung der Diagnose erfolgt in der Regel mittels einer MRT-Untersuchung mit Kontrastmittel. Der Verlauf des fast immer vorliegenden Knochenmark√∂dems im Schambeinbeinast muss √ľber mehrere Wochen beobachtet werden. Ohne √Ėdem keine Schambeinentz√ľndung und keine Fraktur !


Warum kommen Sie in der Interpretation von Röntgenbildern, MRT usw. zu an-deren Ergebnissen als Kollegen?
Das Knochenmark√∂dem kann sich bei weiterer Belastung (besonders wenn die Schmerzen medikament√∂s unterdr√ľckt werden) zur Fraktur weiterentwickeln. Dabei k√∂nnen aus einer okkulten Fraktur, den sogenannten spongi√∂sen Linien, cortico-spongi√∂se Rissbildungen im Knochen resultieren, die dann als Infraktion und letzt-endlich als Fraktur bezeichnet werden m√ľssen. Und als Bruch m√ľssen diese dann auch behandelt werden! In der D√ľnnschicht Computertomographie (Knochenfenster) wurden immer wieder corticale Linien entdeckt und Reparaturvorg√§nge beobachtet (Cave: Strahlenbelastung!). Auch im Knochensintigramm konnten fraktur√§hnliche Anreicherungen erkannt werden.
Das einfache Röntgenbild ist ungeeignet den Zustand einer Schambeinverletzung zu deuten, da Knochenaufreibungen häufig noch nicht entstanden sind.
Der Begriff Bone bruise wird häufig verwendet, wenn man nicht von einem Bruch
sprechen möchte. Dabei steckt hier die Gefahr, der nicht erkannten okkulten Fraktur!


Wie sieht Ihre Behandlung bei der Diagnose Schambeinfraktur aus?
Die wichtigste Verordnung nach der Diagnosestellung ist die absolute Sportkarenz bis zu drei Monaten und mehr. Dazu z√§hlt auch unbedingt der Verzicht auf das Fahrradfahren oder Schwimmen zum Ausgleich und das Training anderer Extremit√§ten. Es darf w√§hren dieser Pause auch keine Physiotherapie durchgef√ľhrt werden. Ebenso soll auf entz√ľndungshemmenden Tabletten und lokalen Spritze verzichtet werden (Gefahr der zu fr√ľhen Belastung aufgrund der Schmerzunterdr√ľckung). Gegebenenfalls k√∂nnen Calzium, Fluor oder Vitamin D Tabletten eingenommen werden, um die Knochenheilung zu unterst√ľtzen. Im Einzelfall ist bei einseitigem Befund eine Entlastung mittels Gehst√∂cken n√∂tig. In Ausnahmenf√§llen ist auch die operative Einkerbung des Ansatzes des Muskulus Gracilis und Anteile der Adduktoren am Schambeinast indiziert, um die Dauerspannung zu reduzieren. In Extremf√§llen haben wir persistierende √Ėdeme erfolgreich angebohrt, um den Konsolidierungsprozess zu beschleunigen.


Welche Rolle kann Ihrer Meinung nach die Physiotherapie nach der Ruhigstellung spielen? Welche Maßnahmen empfehlen Sie?
Nach der Ruhigstellung und Abheilung des Knochenmark√∂dems kann dosiert mit dem Aufbautraining begonnen werden. Wir empfehlen auch hier noch MRT-Verlaufskontrollen, weil wir unter zu fr√ľher und √ľberm√§√üiger Belastung erneut √Ėde-me erlebt haben.
Physiotherapie ist jetzt ganz wichtig um Dysbalancen auszugleichen, Kondition zu erarbeiten, Reflexe zu schulen, den Beckenboden zu stabilisieren und nicht zuletzt Dehnprogramme einzuf√ľhren, um Stress an den Sehnenans√§tzen zu minimieren.


Welche Ursache sehen Sie hinter der Schambeinfraktur? Wie kann Ihrer Meinung nach ein erneutes Auftreten der Beschwerden verhindert werden?
Da m√§nnliche Leistungsfu√üballer am meisten betroffen sind, spielen die sportartspezifischen kurzen, intensiven Belastungen wohl die gr√∂√üte Rolle (z.B. h√§ufige Richtungswechsel, viele kurze Sprints und das Schie√üen). Auch die Veranlagungen wie Skoliosen, Beckenschiefst√§nde, Beinl√§ngendifferenzen, Hohlkreuz, Muskelverk√ľrzung in den Adduktoren und in den Oberschenkelbeugern kommen als Ursachen in Betracht.
Ein erneutes Auftreten nach durchgemachter Odyssee ist selten, eher dann auf der unbeschadeten Gegenseite.


Interview: Dr. med. Emanuel Merkle, Köln, April 2014

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Dr.med. E. Merkle
Facharzt f√ľr Orthop√§die

Praxisklinik
f√ľr Orthop√§die
&
Sporttraumatologie


Theresienhöhe 1
50354 H√ľrth/Rheinland

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